Hinter den Schlagzeilen: Über 'Gegenöffentlichkeit' und die Massenmedien

Wollen sie nicht? Können Sie nicht? Oder dürfen sie nicht? Wie die Massenmedien den publizistischen Wettstreit verlieren.

von Fred Kowasch

Die Aktion 'Ende Gelände' am Pfingswochenende in der Lausitz. Über Twitter kritisieren die Braunkohlegegner immer wieder die fehlende Berichterstattung von ARD und ZDF, monieren dass die Nachrichtenagentur dpa keinen Journalisten vor Ort geschickt hat. Erst nach Ende der dreitägigen Aktion wird in den Massenmedien ausführlicher über diesen Protest berichtet. Der - immerhin - fast zur Abschaltung eines Kohlekraftwerkes führte.  

Die Massenmedien: sie brauchen Tage bis sie ein Thema erkennen, seine Relevanz richtig einzuschätzen wissen. Dies war auch bei den sexuellen Übergriffen - überwiegend von Nordafrikanern - an Silvester in Köln nicht anders. Tagelang ignorierten ARD wie ZDF, FAZ und Süddeutsche die Vorfälle, die bei Facebook, Twitter und in Blogs längst ein viel diskutiertes Thema waren. 

Dies ist keineswegs ein neues Phänomen. Bereits Anfang der 90er Jahre - ich saß damals als Hospitant im Berliner dpa-Büro - bewerteten Verantwortliche die progromartigen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen falsch. Trotz heftigen insistieren wurde keine Verstärkung vor Ort geschickt. Als Tags darauf der Mob tobte, Molotovcocktails in das von Asylbewerbern bewohnte Haus flogen, waren nur wenige Journalisten vor Ort. Auch bei anderen Medien verging damals viel Zeit, ehe sie die Tragweite das Themas begriffen. Vorher konnte man fast nur in der sogenannten Gegenöffentlicheit - in linken Szeneblättern, der Taz oder in Alternativradios - Hintergründe zum Thema Rechtsradikalismus erfahren.

25 Jahre später wird wieder über Gegenöffentlichkeit geredet. Nur scheint der Begriff diesmal streng konservativ bis politisch rechts besetzt. Blogs wie pi-news.net (Political Incorrect), Zeitschriften wie die Junge Freiheit und das Monatsmagazin Compact verzeichnen steigende Leserzahlen. Ihre Berichterstattung - u.a. zur Flüchtlingsfrage und zur vermeintlichen Unterdrückung von Informationen - trifft auf ein hohes Interesse.

Aber auch die politische Gegenseite benutzt das Internet im Sinne der Gegenöffentlichkeit. So publiziert die linksautonome Szene Pamphlete, Demoberichte und Informationsleaks über ihre Webseite linksunten.indymedia.org. Erst am Mittwoch sorgte ein Bericht über eine Polizeiinformantin in der Hamburger Antifa-Szene bundesweit für Schlagzeilen. Und: Bewegungen wie ende-gelaende.org erreichen ihre Anhänger via Blog, Twitter, Facebook, Youtube und Periscope. Letztendlich steuern sie damit auch ihre Aktionen.

Weiterlesen

DruckenE-Mail

"Ende Gelände": Ein Tagebau wird stillgelegt (Welzow, 13. - 15. Mai 2016)

18.05.2016 (update)
Letzten August die Besetzung des NRW-Tagebaus in Garzweiler, diesmal wird dem Braunkohlerevier in der Lausitz ein Besuch abgestattet. Bis zu 3000 Demonstranten sind vor Ort, haben ein Zeltcamp eingerichtet. Bereits am ersten Tag der Aktion werden Förderbänder besetzt, ein Braunkohlebagger blockiert. Am zweiten Tag dringen mehrere hundert Kohlegegner - teils gewaltsam - auf das Gelände des Kraftwerkes 'Schwarze Pumpe' vor. Sie zerstören einen Metallzaun, klettern über ein Tor.



Polizei und Werkschutz gehen - teils brutal - gegen die Besetzer vor. Wie, zeigt das Video. Nach Polizeiangaben vom Dienstag wird gegen mehr als 130 Personen wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs ermittelt. Zwölf Demonstranten der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Weiterhin gibt es 38 Anzeigen wegen Sachbeschädigung an den Gleisen. Zudem laufen 163 Verfahren wegen Hausfriedensbruchs.

DruckenE-Mail

Berlin-Tipps

lifestyle 223.05. 21:00 Badehaus Szimpla: Eagulls (Postpunk)  15e
23.05. 21:00 Bi Nuu: Jeffrey Lewis & Los Bolts 17e
23.05. 21:00 Monarch: Neil Hagerty & The Howling Hex 13e
23.05. 21.00 Privatclub: Little Green Cars (Folk Pop) 18e
23.05. 21:30 Madame Claude: Foreign Fire, Skrei

24.05. 20:00 Frannz: Tyler Bryant & The Shakedown (Blues Rock)
24.05. 20:00 Columbia-Theater: Ulytau (Folk, Mittelalter Rock) 18e
24.05. 20:00 Musik & Frieden, Baumhaus Bar: Reuben Hollebon (Sing Song) 13e
24.05. 20.00 Musik & Frieden: Holy Esque (Rock) 16e
24.05. 20.00 Roter Salon: Denzel & Huhn 19e
24.05. 21:00 Bassy Club:  John Dear,  Brother Grimm (RnR, Noisy-Desert-Soul) 14e
24.05. 21:00 Grüner Salon: Sarah Blasko (Electro, Pop)
24.05. 21:00 Tiefgrund: Death Index, Indian Nightmare

Weiterlesen

DruckenE-Mail

Ordnertruppe gegen die Antifa: Wie Hooligans und Pegida zusammenarbeiten

SPORT INSIDE (28.02.2016 - 22:15 UHR - WDR) - HIER gehts zum Film!

Die Hooligan-Szene radikalisiert sich zusehends. Fanszenen eigentlich zerstrittener Vereine laufen gemeinsam als selbsternannte Patrioten mit bei Pegida-Kundgebungen. Experten sehen eine neue Dimension der rechten Politisierung der Szene. (Text WDR)
HogeSa2c
Screenshot: Hooligans bei der wöchentlichen Demonstration von Pegida-NRW in Duisburg (14.12.2015) 

DruckenE-Mail

Angriff auf Fotografen: 'Gemeinsam Stark' Demo (09.04.2016, Magdeburg)

Ich habe sicher schon knapp ein Dutzend HogeSa, Kögiga, Legida, Pegida, Duigida Demonstrationen und Kundgebungen in den letzten eineinhalb Jahren erlebt. Aber die Versammlung von 'Gemeinsam Stark' am 09. April 2016 am Magdeburg Dom stellte alles in den Schatten. Bereits vor Beginn der Veranstaltung kam es zur Eskalation. Verantwortlich dafür nicht nur die angereisten rechten Demonstranten. Auch einige 'Journalisten', die sich kurz hinter den Zugangskontrollen gemeinsam postiert hatten, um jeden und jede abzulichten. Das gefiel den Jungs natürlich überhaupt nicht (siehe Video). Danach war an vernünftiges Arbeiten nicht mehr zu denken. Mehr zur Rolle der Kollegen demnächst in unserem Film 'Inside HogeSa'.



Die Veranstaltung selbst sprach für sich. Während der gesamten Demonstration bekamen es die Veranstalter von Gemeinsam Stark e.V. nicht in den Griff Rufe wie 'Frei, sozial und national' und 'Hier marschiert der nationale Widerstand' zu unterbinden. Dies räumten sie danach - in einem ihrer äußerst selten gegeben Interviews - ein. interpool.tv arbeitet momentan an einer Dokumentation über die Szene.

DruckenE-Mail

Kino-Tipp: Spotlight (Oscar als Bester Film)

Grosser Film, Grosses Kino. Obwohl 'Spotlight' eher unspektakulär inszeniert ist. Eine ruhig erzählte, wahre Geschichte. Von fünf besessenen Journalisten des 'Boston Globe'. Die wühlen, graben, niemals aufgeben. Immer unterstützt von einem Herausgeber, der sich unerschrocken mit dem katholischen Klerus der Stadt anlegt. Und den es für solch eine Wahrheitsfindung braucht.

Der Film ist grandios umgesetzt. Hier stimmt jede Einstellung, jeder Schnitt! Nach gut zwei Stunden ist dieses Kino-Meisterwerk zu Ende. LEIDER! Doch irgendwie bringt einem dieser Spielfilm den Glauben an die verändernde Kraft von Journalismus wieder zurück.

DruckenE-Mail

Open Air Festivals 2016 - Ein Überblick

24./25.Juni 
Kosmonaut - Stausee Rabenstein/ Chemnitz
rockfestival glienkosmonaut-festival.de
(Caspar, Feine Sahne Fischfilet, Frittenbude)

24./25.Juni
This Is Ska - Wasserburg Roßlau/ Dessau
this-is-ska.de

1./2./3.Juli 
Summerjam - Fühlinger See, Köln
summerjam.de
(Akua Naru, Alborosie, Chronixx)

7./8./9./10.Juli 
Feel Festival - Bergheider See /Finsterwalde
feel-festival.de

8./9./10.Juli 
Splash - Ferropolis, Gräfenhainichen
www.splash-festival.de/

14./15./16.Juli
Back To Future - Glaubitz/Riesa
back-to-future.com
(Oxo 86, Slime, Die Kassierer)

Weiterlesen

DruckenE-Mail

Documentary: Walls - a photographer between the lines (88 min, OmU)

The photographer Kai Wiedenhöfer works at life's extremes. With his panoramic camera, he is going to places, where rubber bullets, teargas, street battles belong to the daily life of the people. As a young man, Kai Wiedenhöfer witnessed the fall of the Berlin Wall. Since then, he has been fascinated by borders, walls and fences. His mission is to find out what concrete barriers do to the people they separate. In 2013, he tried overcoming every resistance and bringing his panorama pictures on the famous "East Side Gallery" in Berlin. The documentary accompanied Kai Wiedenhöfer for nine whole years.



Israel und die besetzten Gebiete, Belfast, Baghdad, Ceuta, Zypern, die Grenze zwischen den USA und Mexico. Kai Wiedenhöfer hat eine Mission. Er will die Mauern der Welt fotografieren, zeigen was ein Betonwall aus Menschen macht. Mit seiner Panoramakamera geht er dorthin, wo Gummigeschosse, Tränengas und Strassenschlachten zum Alltag gehören. Er trifft auf Flüchtlinge, Drogendealer und engagierte Menschenrechtler. Immer wieder aber auch auf bewaffnete Soldaten und aggressive Grenzpolizei. Gegen viele Widerstände versucht er sich seinen Traum zu erfüllen.

Kai Wiedenhöfer möchte seine Panoramafotos auf die weltbekannte 'East Side Gallery' in Berlin zu bringen. Jahrelang kämpft er dafür. Im Sommer 2013 kommt es in seiner Wahlheimat zum Showdown. Die Dokumentation „Walls – a Photographer between the Lines“ hat Kai Wiedenhöfer - der einst Zeuge des Berliner Mauerfalls wurde - über neun Jahre lang begleitet.

DruckenE-Mail