Dokumentarfilm: Independent is out

von Fred Kowasch

Leipzig
, Duisburg, Kassel und - jetzt - Amsterdam. Wöchentlich findet momentan irgendwo ein Dokumentarfilmfestival statt. Jetzt hebt auch arte einen solchen Programmschwerpunkt auf den Sender. Filme, die vor Jahren im Kino liefen. Dort aber selten von mehr als ein paar Tausend Zuschauern gesehen werden.

Auch das netzwerk-recherche nahm sich am Wochenende dem Thema an. Kurzes Fazit der Konferenz 'Weitblick - die lange Form, die ganze Geschichte': es geht alles den Bach runter. Kaum mehr Sendeplätze im TV wurde da geklagt und immer weniger Geld für die einzelnen Projekte. Hinzu kommen Schwierigkeiten beim Einholen von Drehgenehmigungen und - immer häufiger - Unterlassungsklagen.

Fakt ist: von ihren Filmen können in Deutschland allenfalls ein paar Dutzend Dokumentarfilmer leben. Und dass auch nur, wenn sie Redakteure finden, die sie aus dem Öffentlich-Rechtlichen Anstalten heraus mit Aufträgen versorgen. Independent - so der Eindruck von der netzwerk-recherche Tagung - ist out.

Auf die Möglichkeiten im Netz angesprochen, auf Crowdfunding, netflix, den Vertrieb übers Web - nur Schulterzucken auf dem Podium. Einem Filmprofessor aus Köln fielen allenfalls noch die Katzenvideos auf youtube ein, mit denen ein paar Kids Geld verdienen würden.

Eine Branche in Agonie. Eine Branche, die sich gern darstellt. Selten zuvor haben so viel Dokumentarfilmer sich selbst zum Thema ihres Filmes gemacht. Zum Beispiel indem sie um ihre Wohnung in Berlin kämpfen, Abfindung des Eigentümers inklussive. Oder sie schaffen Wirklichkeit, indem sie mit Schauspielern arbeiten, Geschichten arrangieren. Die Banalität des Privaten hat Konjunktur. Politische Themen, unabhängiges und engagiertes Kino, finden sich derzeit selten.

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OFFLINE - Web- und MedienNEWS

Top secret1-588x37806.01.2014
"Im Zweifel sind wir vogelfrei". Interview mit Georg Mascolo in der aktuellen Fachzeitschrift 'journalist'. Lesenswertes vom ehemaligen SPIEGEL-Chefredakteur, der - zusammen mit anderen - im letzten November Edward Snowden in Moskau besucht hat. Wissenwertes über internationalen investigativen Journalismus und was man noch alles von US-Geheimdiensten erwarten kann.  

Darf ein Journalist Partei ergreifen, muß er - in Ausnahmesituationen - es gar?! Das Greenwald-Paradoxon. Mittlerweile ist die in den USA geführte Diskussion auch in deutschen Onlinemedien angekommen.

“Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.”

Ein Satz, fast schon in Stein gemeißelt. Ein Aussage, die man in den Kontext stellen muß, indem sie fiel. An die sich der Urheber selbst nicht hielt. Warum auch?! Das Objektivitäts-Dogma des Journalismus: Was wollte Hajo Friedrichs wirklich sagen? (Link via @renemartens und @jensweinreich).

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Fotografen-Razzia: Wenn Recht gebrochen wird

14.02.2013
"Es ist bei vielen dieser Dinge so, dass man hinterher mehr weiß als vorher." So rechtfertigt die Frankfurter Staatsanwältin Doris Möller-Scheu die Durchsuchung bei Pressefotografen. Das Interview, mit dem NDR-Medienmagazin 'ZAPP' ist entlarvend. Es zeigt - unter anderem auch - wie Ermittler vorgehen, wenn einer der Ihren Ziel einer Attacke geworden ist.  Da werden Polizei-Videobänder nach Fotografen durchsucht, Journalisten regelrecht gescannt. Der gesamte ZAPP-Beitrag findet sich hier. 

07.02.2013
Acht Journalisten im Fadenkreuz des Staates. Fotoreporter, die für die taz, Tagesspiegel, Spiegel, Frankfurter Rundschau, Financial Times Deutschland, Neues Deutschland, Potsdamer Neueste Nachrichten, Junge Welt, BZ Berlin, Bild und die Nachrichtenagentur dpa gearbeitet haben. Ermittler, denen das Grundrecht auf Pressefreiheit egal ist, die sich nicht um Zeugnisverweigerungsrecht und Beschlagnahmeverbot kümmern. Strafverfolgung: Warum wir keine Bilder rausgeben. Unterdessen sickert durch: die Aktion soll ein Versehen der Staatsanwaltschaft gewesen sein. Weil sie davon ausging, dass die Journalisten linke Szenefotografen gewesen sein. Behörden haben wohl bewusst Journalisten durchsucht - Details zu einem Fall, der an das Vorgehen in Diktaturen erinnert.

autonome06.02.2013
Ein Richter, der etwas abzeichnet, findet sich im 'Rechtsstaat' immer. Den schwersten Angriff auf die Pressefreiheit seit Jahren gab es heute in fünf Bundesländern (Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg). Bei acht Fotografen, die auf einer Anti-Kapitalismus-Demonstration am 31.03.2012 in Frankfurt/Main Bilder gemacht hatten, wurden heute die Wohnungen durchsucht. Dabei wurden ihre Computer nach Fotos von dieser Demonstration durchforstet. 

Bundesweite Razzia bei Fotografen - LKA und BKA waren im Einsatz. Es betrifft zwei freie Fotografen des Berliner Tagesspiegel und zwei, die auch für die Taz unterwegs sind. In eigener Sache - sicher findet sich irgendwann auch ein Richter, der diese Polizeiaktion für unrechtmäßig erklärt. So lange arbeiten die Beamten allerdings mit dem Material. Die DDR läßt grüßen!

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Vor 40 Jahren: Der Watergate-Einbruch

Am 17.06.1972 wurde in den Watergate-Gebäudekomplex in Washington eingebrochen. Dort befand sich die Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei. Zwei Reporter - Carl Bernstein und Bob Woodward  von der 'Washington Post' gingen der Sache nach. Ihre hartnäckigen Recherchen führten - unter anderem - zum Rücktritt des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon. Der Spielfilm mit Dustin Hofmann und Robert Redford ist legendär - "Nixon hat sich selbst zerstört".

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Im Sinkflug: Thomas Gottschalk

von Martin Lange

Fast ein Jahr lang wollte uns Thomas Gottschalk mit seinem langen Abschied bei 'Wetten Dass' seine eigene Unersetzbarkeit beweisen. In nur wenigen Tagen hat er sich nun im Ersten überflüssig gesendet. 15 Millionen sahen Gottschalk bei seiner letzten ZDF Show, zwei Monate später pendelt sich die Zuschauerzahl im ARD Vorabendprogramm auf  zwischen 1,8 und 1,2 Millionen ein. Was ist passiert? Thommy versucht nun vier Mal die Woche genau das, was er noch nie konnte: Inhalte transportieren. Gottschalk transportiert sich höchstens selbst und damit nun die ARD noch tiefer ins Vorabend-Quotenabseits. Die Verantwortlichen wollten „etwas Neues“ in der sogenannten Todeszone ausprobieren und sollen Gottschalk geschätzte sechs Millionen Euro pro Jahr an Gage vor die Nase gelegt haben.
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Screenshot: WDR-Print 02/2012

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TV-Kritik: Rot-Grün macht Kasse (ARD)

Es gibt sie, die Perlen im TV-Programm. 'Rot-Grün macht Kasse' aus der Reihe ARD-exclusiv ist eine davon. Ein Reporter auf den Spuren von Politikern, die einst mit moralischen Anspruch gestartet waren und heute als feiste Lobbyisten die Hand aufhalten. Schröder, Fischer, Schily und wie sie sonst so heißen. 

Die Beispiele sind nicht neu, ihre kompakte Umsetzung im TV schon. Hier zeigt das Medium Fernsehen, was der Zeitungsartikel nicht kann. Die Arroganz in den Gesichtszügen, wenn der Reporter vor einem steht und um Antworten bittet.ard exclusiv

Die Verlegenheit, wenn eine Lobbyistin der Tabakindustrie auf ihre Zeit als Umweltaktivistin angesprochen wird. Dennoch wäre gerade hier mehr Biss gefragt gewesen. Warum wurde sich mit der lauen Ankündigung auf ein Telefonat zufrieden gegeben, weshalb bei anderen 'Seitenwechslern' nicht weiter recherchiert?
screenshot: youtube.com

Der Doku - als VIDEO noch im Netz - kommt das Verdienst zu, öffentlich zu zeigen, von welchen gewissenlosen Charakteren Rot-Grün bestimmt war. Mehr Lust auf diesen Staat macht es nicht. Dennoch ist dies Journalismus ist seiner besten Form - schonungslos und desillusionierend.  Es müsste mehr solcher Perlen geben.

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Soziale Netzwerke

15.07.2011

Privatsphäre: google+ vs. Facebook - ein Vergleich. Soziale Netzwerke - das Thema im Netz. Während Facebook - Keine Blondine entkommt - aktuell eher negativ betrachtet wird, marschiert ein anderer Konzern mit google + voran. Wir haben es einmal getestet. Es ist übersichtlich, gut zu bedienen und der Begriff Freund wird hier nicht zur Inflation getrieben. Die Circles sind ein Zugewinn. Eine Einladung ist so schwer auch nicht zu erhalten. Momentan tummeln sich auf der Plattform, neben einem richtigen Frank-Walter Steinmeier, auch ein falscher Steffen Seibert.
Vor allem aber jede Menge Internet-Freaks.

 

google+

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netzwerk recherche: Gelder von der Großindustrie

von Fred Kowasch, Hamburg


03.07.2011
Transparenz und Offenheit. Diese Worte fallen oft und häufig bei den Tagungen von 'netzwerk-recherche'. Der Organisation deutscher Journalisten, die sich vor allem die Pflege der investigativen  Handwerkes verschrieben hat. Auf der Jahrestagung des Vereins -  Anfang Juli 2011 in Hamburg - standen diesmal die Geschäftspraktiken  der eigenen Organisation im Mittelpunkt des Interesse.


Das ging so weit, dass der Vorsitzende des Vereins, Thomas Leif - im Rahmen einer Mitgliederversammlung - aufgefordert wurde, zurückzutreten. Putsch im "Sauberkeitsverein". Hintergrund dieses Schrittes waren „falsche(n) Abrechnungen mit der Bundeszentrale für politische Bildung“, wie es in einem internen Papier der Organisation heißt.


In dem Schriftstück, dass interpool.tv am Montag zum Download auf seiner Webseite veröffentlichen wird, sind die Barreserven der Organisation sowie der Einnahmen-Überschuss-Rechnung aus dem Jahr 2010 aufgeführt. Informativ ist hier vor allem, woher einige der Einnahmen in Höhe von 221.554,42 Euro stammen. 

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netzwerk recherche 2011

02.07.2011 - 23:20 

Volle Säle bei Veranstaltungen über Facebook, google und den Videojournalismus – leere Stuhlreihen hingegen als es um die Zukunft der politischen TV-Magazine ging. Das netzwerk recherche wandelt sich. Rund 800 Journalisten trafen sich am Wochenende, um über Gegenwart und Zukunft der Medien zu diskutieren. Heraus kamen interessante Einsichten. nr_2011


Wikileaks hat seine beste Zeit hinter sich, sichere elektronische Postfächer für das Hochladen von Dokumenten und Papieren gibt es nicht. Wer seine Daten im Netz nicht rigeros schützt und kontrolliert, der macht sich öffentlich „nackig“. Im Öffentlich-Rechtlichen TV stehen die Zeichen der Zeit auf wirklichkeitsnahe Dokus und „hart-recherchierte Geschichten“. 


Dennoch: der Ärger um die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten im Journalistennetzwerk überschatteten diese informative und (wieder einmal) gut organisierte Tagung. Führungskrise bei netzwerk recherche - ein paar interne Zahlen gibt es im Laufe des Sonntags bei interpool.tv .

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