Medien: 25 Leute mit Wechselsachen - Der Angriff auf die 'Heute-Show'

12.05.2020
25 Leute - laut jüngster Polizeimeldung - mit Wechselsachen. Wir hatten es in einer der unserer ersten Artikel dazu bereits (etwas voreilig zwar) vornweggenommen. Es ist der bekannte G-20-Style von Anfang Juli 2017 aus Hamburg. Hose schwarz, T-Shirt weiss, ein leichtes Rücksäckchen aus schwarzem Stoff auf dem Rücken. Und: es ist richtig 'mutig' mit 25 Leuten auf sieben andere draufzugehen. Auch noch eine Frau ins Krankenhaus zu befördern. Weil sie wohl ihre Arbeit gemacht haben. Möglicherweise zum Schluß den 'Falschen' befragten ....

09.05.2020
Gut eine Woche ist er jetzt her: der Angriff von ca. 15 schwarz gekleideten, teil vermummten Personen auf Mitarbeiter eines Teams der 'Heute Show'. Und mit einigem Abstand betrachtet, stellen sich dann doch auch ein paar Fragen zum Handeln der Polizei. Wie die Tageszeitung taz jüngst in dem Artikel 'Woher diese Gewalt?' berichtete, erfolgte die Festnahme der sechs Tatverdächtigten nicht in unmittelbarer Nähe des Tatortes. Sondern in der Oranienburger Strasse. Die ist nicht nur ziemlich lang, sondern auch um Einiges weg vom Tatort an den S-Bahn-Bögen in der Nähe des Alexanderplatzes.

Und warum wurden diese - in der Oranienburger Straße Festgenommenen - dann zum angegebenen Tatort gefahren und dort - mit Handschellen gefesselt - verschiedenen Medienvertretern präsentiert? Mindestens zwei Kamerateams waren plötzlich vor Ort, eine Polizeiprecherin gab Auskünfte. Immerhin ist seit gestern Abend bekannt: dass Drehmaterial des 'Heute Show' Teams vom 1. Mai liegt beim Berliner Landeskriminalamt und wird dort ausgewertet. Wohl auch deshalb lief gestern Nichts davon in der Sendung.



06.05.2020 - 9:02
Mittlerweile ist vom Angriff am 1. Mai ein Video aufgetaucht. Die BILD-'Zeitung' hat es am Dienstag veröffentlicht. Dem Vernehmen nach wurde es von einem Hochhaus in der Nähe aus aufgenommen. Demnach erfolgte der Angriff blitzschnell. Er wirkt äußerst koordiniert. Mehr als acht bis zehn Angreifer sind auf der verwackelten Aufnahme allerdings nicht auszumachen. Zum Schluß der Sequenz laufen zwei schwarz gekleidete Personen in Richtung des dort befindlichen 'Brauhaus Mitte', wobei einer einen - dort offensichtlich vorher abgelegten - weißen Stoffbeutel greift und wie die anderen in Richtung 'Kaisers'/Rochstrasse flieht. Unterdessen ist gestern Abend auf dem linken Webportal 'indymedia' ein erster - anonymer - Text zu dem Ereignis aufgetaucht. Er kritisiert vor allem die szeneinternen öffentlichen Diskussionen auf Twitter.

Mittlerweile ist für die Berliner Polizei klar: die Angreifer kamen aus dem linken Spektrum. So steht es zumindest in einer Pressemeldung vom Montag Nachmittag. Und: die Gruppe der am Tatort vorläufig sechs Festgenommenen gehört - laut Polizei - zur Gruppe der mutmasslichen Angreifer. Weiterhin 'sickerte' durch: einer von ihnen ist seit 2015 in der Rubrik 'Gewalttäter links' erfasst. Eine Berliner Tageszeitung weiss unterdessen zu berichten: "Nach Tagesspiegel-Infomationen soll es vor dem Angriff Streit zwischen dem TV-Team und den Angreifern gegeben haben, Letztere wollten nicht gefilmt werden." Eine Quelle wird hier nicht genannt. "Viel feiger kann ein Angriff nicht sein", so beschreibt der Komiker Abdelkarim in einem 13-Minuten-langen ZDF-Video wie er den Angriff selbst wahrgenommen hat. Wer einmal einen Einblick in die Arbeitsweise des Teams der Satiresendung 'Heute-Show' vor Ort am Rosa-Luxemburg-Platz erhalten möchte, dem sei das folgende Video empfohlen. Es zeigt Abdelkarim im Gespräch mit einer Teilnehmerin des Gegenprotestes vor dem Theater 'Volksbühne'.



03.05.2020 - 10:24 (update 20:44)
Was ist bekannt? Am Nachmittag des 1. Mai 2020 drehte ein freies Produktionsteam im Auftrag der ZDF-Satiresendung 'Heute-Show' in Berlin-Mitte am Rande einer geplanten Kundgebung gegen die Corona-Bestimmungen. TV-Aufnahmen (siehe unten) zeigen den Kabarettist Abdelkarim wie er an der Ecke Hirten-/Rosa-Luxemburg-Strasse mutmassliche Demonstranten befragt. Die Teilnehmer, der bis dahin 5. Demonstration nach dem Motto "Nicht ohne uns" setzen sich aus einem sehr breiten Spektrum zusammen. Unter ihnen sind selbsterklärte 'Linke', Grundrechtsdemonstranten, Impfgegner und Menschen, die von anderen als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden. Was auffällt: bis zu diesem Tag hatten sich Öffentlich-Rechtliche TV-Stationen eher wenig für das wöchentlich wiederkehrende Zusammentreffen interessiert. Vor Ort: überwiegend Video-Blogger, die via LIVE-Stream auf youtube übertrugen und eher dem konservativ-rechten Umfeld zugeordnet werden können.



Nach Angaben des Produktionsgesellschaft begleiteten das TV-Team drei Bodyguards. Was durchaus ungewöhnlich ist. Nach eigenen Erfahrungen arbeitet man am Rande solcher Veranstaltungen eher mit kleinem Equipment und möglichst unauffällig. Bekannt war an diesem Tag auch, dass Gruppen aus dem linken und autonomen Spektrum (zum Beispiel über Twitter) zu Gegenprotesten am Rande aufgerufen hatten. So sind solche Proteste - und die daraufhin erfolgten vorläufige Festnahmen, bzw. Identitätsfeststellungen - im folgendem Video zu sehen.



Im Verlaufe des Nachmittags drehte das Team auch länger mit Lars Günther. Einen Abgeordneten, der für die AfD im Brandenburger Landtag sitzt und vor Ort am Freitag Zeitungen des 'Demokratischen Widerstandes' verteilte. Ein sogenanntes 'Recherchenetzwerk Berlin' hat dies in verschiedenen Fotos festgehalten. Als das TV-Team den Dreh beendet hatte und eine EB-Einheit zu ihren Autos ging, soll sich der Angriff gegen 16:25 Uhr an den S-Bahn-Bögen Dirksen-, Ecke Rochstrasse ereignet haben. Die Polizei spricht von einer ca. 15 Personen starken Gruppe, deren Mitglieder vermummt gewesen sein sollen. Und die auf Mitglieder des TV-Teams und ihre Bodyguards brutal eingeschlugen. Mehrere Verletzte mussten später ins Krankenhaus. Details wurden von der Polizei - der Berliner 'Staatsschutz' hat die Ermittlungen übernommen - bisher nur wenige bekannt gegeben. 

Zumindest soviel: bei den später am Rande Festgenommenen soll es sich um zwei Frauen und vier Männer im Alter von 24 bis 31 Jahre handeln. Drei von ihnen sollen - nach Erkenntnissen Berliner Behörden - der linken Szene nahestehen. Ob die am Rande Festgenommenen allerdings auch diejenigen waren, die das TV-Team mit den drei Bodyguards überfielen, ist bisher noch nicht geklärt. Ebenso wenig, welches Motiv dem Überfall zu Grunde lag.

Interessant am Rande: dass Kamerateam arbeitete 'neutral'. Bedeutet: es war für Außenstehende nicht ersichtlich, dass es sich um ein ZDF-Team handelt. Der sonst übliche orangene ZDF-Windschutz wurde nicht eingesetzt. Ein Detail vielleicht nur. Ein Detail, dass der Chef der vom ZDF beauftragten Produktionsfirma inzwischen gegenüber dem SPIEGEL auch bestätigte: "Woher kommt diese Wut, die meine Leute da abbekommen haben?"

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