Klare Kante: Wie sich 'Journalisten' unmöglich machen

Ein Kommentar von Fred Kowasch

12.05.2021
Was für ein publizistisches Desaster, was für ein hilfloses Gestammel. Die Bankrotterklärung von Journalismus im 'Tagesspiegel' dauerte an diesem Dienstagabend via YouTube 92 Minuten. Bester Anschauungsunterricht dafür, wie investigative Berichterstattung eben nicht aussieht. Und warum man dieses publizistische Medium nicht mehr Ernst nehmen kann.

Zuvor hatte das Hauptstadtblatt tagelang gegen die Organisatoren der Initiative #allesdichtmachen regelrecht mobil gemacht. Eine komplett einseitige Kampagne unter dem Deckmantel von 'Journalismus'. Haltlose Unterstellungen und Schlussfolgerungen bei denen minimale handwerkliche Regeln missachtet wurden. Zum Beispiel die, dass man denjenigen - über den man berichtet - anfragt, konfrontiert, auch zu Wort kommen lässt. Mittlerweile räumt der Tagesspiegel diese Fehler in einer Stellungnahme auch ein. Immerhin.

Und noch eine zweite Stellungnahme sorgte gestern für Aufmerksamkeit. Die Erklärung des DJV Thüringen. Headline: 'Eine beispiellose Welle des Hasses'. Dabei geht es um einen Vorfall am 1. Mai in Weimar, am Rande einer Spontandemonstration. Anlass war ein Aufruf aus dem Umfeld der 'Querdenker' gegen Behördenhandeln. In diesem Fall der Durchsuchung bei einem Richter unter dem staatsanwaltschaftlichen Vorwand der Rechtsbeugung.

Nun bin ich selbst - biografisch bedingt - ein grosser Fan von Spontandemonstrationen. Meine Meinung ist: von den Cops sollte man sich da auch nicht wirklich aufhalten lassen. Egal in welchem System. Die Anarchie der Strasse hat ihre ganz eigene Faszination.

Was aber überhaupt nicht geht, ist einem dieser Spontandemonstranten ein Bein zu stellen. Den Hilfsscheriff der Staatsmacht zu spielen. Und dies als Vertreter einer Journalistenorganisation. Wenn dann - in diesem Zusammenhang - ernsthaft von 'Zivilcourage' die Rede ist, dann kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Die 'Journalisten der Macht', brauchen sich dann auch nicht zu wundern, wenn es auf der Straße dann zunehmend ungemütlich für sie wird.

Drucken

Durch die weitere Nutzung dieser Webseiten stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.