+ Dokumentarfilm + 'Inside HogeSa' - Von der Strasse ins Parlament (92 min, interpool.tv, 2018) +


+ + + AUCH BEI AMAZON VIDEO (KAUFEN UND LEIHEN) + + +

Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.


In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans,'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann.


Wen der Trailer neugierig gemacht hat, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 3,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all). Wer den Film kauft, bekommt die Interviews mit Tatjana Festerling und 'Captain Flubber' in voller Länge zu sehen.

Dokumentarfilm: Berlin Bouncer - Die Macht der Nacht (85 min, 2020, RBB, arte)

Kurzweiliger Portraitfilm über Türsteher der Berliner Nacht. Drei Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Ihre Motivation, ihr Leben. Leider sieht man zu wenig Szenen, wie sie ihren Job vor Ort letztendlich auch ausüben. Stört aber nicht unbedingt. Der Film ist trotzdem sehr dicht dran. Nimmt einen gewissermassen auf Zeitreise in das Ostberlin Anfang der 90er Jahre, als praktisch alles ging. Illegale Clubs, Hausbesetzungen, feiern ohne Kontrolle. Am Ende dann kommt auch heute noch die Berliner Stadtreinigung. Oder der Taxifahrer, der einen im Morgengrauen zurück nach Hause bringt. Könnte ruhig noch länger gehen, dieser excellente Dokumentarfilm. Bis zum 10. Juni auf arte.

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Klare Kante: Wie sich 'Journalisten' unmöglich machen

Ein Kommentar von Fred Kowasch

12.05.2021
Was für ein publizistisches Desaster, was für ein hilfloses Gestammel. Die Bankrotterklärung von Journalismus im 'Tagesspiegel' dauerte an diesem Dienstagabend via YouTube 92 Minuten. Bester Anschauungsunterricht dafür, wie investigative Berichterstattung eben nicht aussieht. Und warum man dieses publizistische Medium nicht mehr Ernst nehmen kann.

Zuvor hatte das Hauptstadtblatt tagelang gegen die Organisatoren der Initiative #allesdichtmachen regelrecht mobil gemacht. Eine komplett einseitige Kampagne unter dem Deckmantel von 'Journalismus'. Haltlose Unterstellungen und Schlussfolgerungen bei denen minimale handwerkliche Regeln missachtet wurden. Zum Beispiel die, dass man denjenigen - über den man berichtet - anfragt, konfrontiert, auch zu Wort kommen lässt. Mittlerweile räumt der Tagesspiegel diese Fehler in einer Stellungnahme auch ein. Immerhin.

Und noch eine zweite Stellungnahme sorgte gestern für Aufmerksamkeit. Die Erklärung des DJV Thüringen. Headline: 'Eine beispiellose Welle des Hasses'. Dabei geht es um einen Vorfall am 1. Mai in Weimar, am Rande einer Spontandemonstration. Anlass war ein Aufruf aus dem Umfeld der 'Querdenker' gegen Behördenhandeln. In diesem Fall der Durchsuchung bei einem Richter unter dem staatsanwaltschaftlichen Vorwand der Rechtsbeugung.

Nun bin ich selbst - biografisch bedingt - ein grosser Fan von Spontandemonstrationen. Meine Meinung ist: von den Cops sollte man sich da auch nicht wirklich aufhalten lassen. Egal in welchem System. Die Anarchie der Strasse hat ihre ganz eigene Faszination.

Was aber überhaupt nicht geht, ist einem dieser Spontandemonstranten ein Bein zu stellen. Den Hilfsscheriff der Staatsmacht zu spielen. Und dies als Vertreter einer Journalistenorganisation. Wenn dann - in diesem Zusammenhang - ernsthaft von 'Zivilcourage' die Rede ist, dann kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Die 'Journalisten der Macht', brauchen sich dann auch nicht zu wundern, wenn es auf der Straße dann zunehmend ungemütlich für sie wird.

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Strg + C: Öfters mal kopiert? - Franziska Giffey soll Doktortitel entzogen werden


11.05.2021 (update)
Nach einem Bericht des Nachrichtenportals Business Insider soll sich die Prüfungskommission der Freie Universität Berlin für die Aberkennung des Doktortitels von Franziska Giffey (SPD) ausgesprochen haben. Allerdings soll der amtierenden Bundesministerin und SPD-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl im September noch Zeit für eine Stellungsnahme eingeräumt werden

14.11.2020 (update)
vroniplag wiki 03052019Die amtierende Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Familie, Franziska Giffey (SPD) hat angekündigt, ihren Doktortitel nicht mehr führen zu wollen. Zuvor hatte die Freie Universität Berlin angekündigt, ihre wissenschaftliche Dissertation erneut prüfen zu wollen. Zuvor hatte die FU Berlin ihr lediglich eine Rüge ausgesprochen.

Giffey werden - vom bekannten Blog 'VroniPlag' - Plagiate bei der Erstellung ihrer Doktorarbeit vorgeworfen. Auf 76 von 205 Seiten. An 238 Stellen insgesamt. Ihre Doktorarbeit hatte Giffey in der Zeit zwischen 2005 und 2009 am 'Otto-Suhr-Institut' (Politikwissenschaft) der Freien Universität Berlin gefertigt.

Quelle:
https://vroniplag.wikia.org/de/wiki/Dcl

Sie wäre damit nicht die erste bekannte Bundespolitikerin, die ihren Doktortitel aufgrund wissenschaftlichen Betruges nicht veliert. Die Liste bekannter Politiker ist lang.

Folgenden Politikern wurde
der Doktortitel bisher aberkannt:

  • Carl Theodor zu Guttenberg (CSU) 
  • Silvana Koch-Mehrin (FDP) 
  • Uwe Brinkmann (SPD)
  • Matthias Christoph Pröfrock (CDU)  
  • Georgios Chatzimarkakis (FDP) 
  • Bijan Djir-Sarai (FDP)
  • Margarita Mathiopoulos (FDP)  
  • Florian Graf (CDU)
  • Jakob Kreidl (CSU)
  • Annette Schavan (CDU)
  • Frank Steffel (CDU)

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VoD: Und Morgen die ganze Welt (Drama, 111 min, 2020)

von Fred Kowasch

Ein Film über eine Szene, die - auch aufgrund von Inhaftierungen (wie im Fall von Lina E.) und dem Gerichtsverfahren in Stuttgart - immer mehr in den öffentlichen Blickpunkt gerät. Westdeutsche Jurastudentin radikalisiert sich, weil sie konsequent handeln will. Wie sie in Kontakt zu gewaltbereiten Antifas kommt, die ihre Gegner auch körperlich attakieren. Nach kurzem Kinostart Ende Oktober letzten Jahres, jetzt 'Video on Demand' unter anderem via Amazon und seit Donnerstag auch bei Netflix.

Der Film ist nicht zu empfehlen. Die Story ist mächtig platt. Die Filmfiguren werden kaum entwickelt, die Handlung bleibt an der Oberfläche. Sicher, einige Szenen mögen gut beobachtet sein. Nur: wieso sich die Hauptfigur des Filmes so extrem radikalisiert, wird nicht glaubwürdig und nachvollziehbar erzählt. Hier wurde ein brisantes Thema wirklich verschenkt. Doch wie immer gilt: urteilt selbst!

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'Inside Black Block': Heftige Auseinandersetzungen in Berlin (01.05.2021)

02.05.2021
Es waren die heftigsten Auseinandersetzungen in Berlin am 1. Mai seit Jahren. Die laufenden Bilder aus dem Livestream von Ruptly sind nichts für sensible Gemüter. Sie zeigen die Situation am gestrigen Abend an der Ecke Sonnenallee/Weichselstrasse in Berlin-Neukölln allerdings am Unmittelbarsten. Als die Polizei die genehmigte 'Revolutionäre 1. Mai Demonstration' mit gut 10.000 Teilnehmern mit Gewalt anging und einige Personen aus der Menge vorläufig festnahm, entwickelte sich an dieser Kreuzung eine gut 20minütige Strassenschlacht. Eine völlig überfordert wirkende Staatsmacht auf der einen, militante Autonome und Migranten auf der anderen Seite. Die reagierten, nicht unbedingt koordiniert vorgingen. Es flogen Flaschen, Latten und Steine auf die Einsatzkräfte. Durch die Mege rasende Polizeifahrzeuge wurden angegriffen. Ein paar Müllcontainer und Paletten brannten. Bis in die späte Nacht hinein kamen die Berliner Bezirk Neukölln und Kreuzberg nicht 'zur Ruhe'. Nach Augenzeugenberichten konnte dort die - im Zuge der Corona-Restriktionen - verhängte Ausgangssperre von der Staatsmacht nicht durchgesetzt werden.

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Dokumentarfilm: Wagenknecht (111 min, 2020, mdr)

Ein Film über eine Frau, die der 'Linken' zusetzt. Die Themen anspricht, die der 'Szene' wirklich schmerzen. Die kein Blatt vor den Mund nimmt, scheinbar gegen 'Political Correctness' immun ist. Die mit dabei war, als Projekte wie 'aufstehen' entstanden.

Der Film ist sehenswert. Auch wenn er seine Längen hat. Er zeigt was abläuft, wenn in Parteien um Macht gerangelt wird. Hier, mit welch dreckigen Bandagen innerhalb der 'Linken'. Nur, persönlich nahe kommt der Dokumentarfilm Sarah Wagenknecht nicht. Die Kamera geht oftmals dann aus, wenn es wirklich interessant wird. Trotzdem bleiben mehr als anderthalb Stunden spannende Politikeinblicke, einprägsam eingefangenes Zeitgeschehen.

Noch bis 18. Juli 2021 - via YouTube - im Netz.

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Medien: Streaming boomt, TV verliert, Kino (so gut wie) tot

21.01.2021 (update 10.03.2021)
Die letzten Quartalszahlen von Netflix - mit über acht Millionen neuen Abonnennten (insgesamt 204 Millionen) - zeigen eines deutlich: der Siegeszug von Streaming setzt sich fort. Der Vorteil ohne Zweifel: zeitlich ungebunden, kann jeder die Filme sehen die er möchte, wo immer er will. Dass Programm selber zusammenstellen - immer mehr Menschen machen davon Gebrauch. Dies zeigt auch die rasante Entwicklung des Streaminganbieters Disney+. Im November 2019 gestartet, nutzen 16 Monate später bereits über 100 Millionen weltweit diesen Dienst. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt: auch Amazon und Youtube machen den etablierten TV-Sendern immer mehr Konkurrenz, haben sie  hinter sich gelassen. Und: es ist noch längst nicht das Ende der Entwicklung erreicht. 

Öffentlich-Rechtliche Sender haben diesen Trend weitesgehend verschlafen. Aktuelle Studien zeigen: die Senderflucht gerade bei den jüngeren Zuschauern ist verheerend. Unter Teenagern ist es geradezu cool geworden ARD und ZDF zu 'haten'. Die versuchen mit einzelnen Sendungen - zum Beispiel unter dem Label 'Funk' - auf Youtube gegenzusteuern. Wirklich verhindern können sie die Abwanderung damit nicht. Zu schwerfällig erfolgen immer noch die Entscheidungen in den grossen Sendern. Zu festgefahren ist das Denken in einzelnen Redaktionen. Wer will schon eine weitgehend unkritische 90-Minuten-Doku über Greta sehen, wenn anderswo ein spannendes Road-Movie über Hooligans und Rechtsextreme läuft ;)

Und da sind wir auch schon 'zufällig' genau beim Thema. Mit ARD und ZDF haben wir gebrochen. Nach mehr als einem vierteljahrhundert Filmemachen sind wir es einfach leid, uns von realitätsfernen Redakteuren sagen zu lassen, wie man eine Doku korrekt umsetzt. Was denn genau ein 'Thema' ist. Der Erfolg gibt uns Recht. Hatten wir ursprünglich damit gerechnet, etwa hundert mal den Film 'Inside HogeSa - Von der Strasse ins Parlament' übers Netz zu verkaufen, sind es jetzt schon mehr als 2.000 Nutzer, die dafür Geld ausgegeben haben. Danke für euer Interesse. 'Streaming first' - eine Entwicklung, die gerade 2020 erheblich an Fahrt aufgenommen hat, und sich 2021 fortsetzt.

Dass lange - und durchaus auch kontroverse - Dokumentationen vor allem bei Jüngeren auf Interesse stossen, zeigen jüngste Zahlen von youtube. Dort, wo Ende Dezember eine Kurzversion unseres Filmes lief. Und von mehr als 10.000 Nutzern gesehen wurde.

altersschnitt zuschauer hogesa
Aktuell drehen wir an einer Fortsetzung von 'Inside HogeSa'. Ob daraus ein zweiter Teil folgen wird, wissen wir noch nicht. Außerdem: für den Sommer 2022 haben wir die Veröffentlichung von 'Inside Black Block' geplant. Ein Dokumentarfilm über die Entsehung und Entwicklung der autonomen Szene, über die Rolle und Bedeutung von Gewalt. Ein Projekt für dass wir schon seit Jahren filmen. Selbstverständlich kommen wir mit Beamer und Leinwand bei euch vorbei, stellen uns der Diskussion. Gern unter freiem Himmel bei einem Bier. Oder ihr besorgt euch unsere Filme über die Streamingdienste. Weitere Projekte, insbesondere zur Zeitgeschichte, sind in Planung. Lasst euch überraschen ....

p.s.: Ach ja, das Kino. Es hing leider schon vor Corona in den letzten Zügen. Nun wurde bekannt: der 'neue' James Bond wird erneut verschoben. Diesmal in den Herbst 2021 hinein. Warum nur läuft er nicht längst auf einer Streamingplattorm? Das Kino als Institution wird sich von dem Dauerlockdown sicher nicht erholen. Zumal auch grosse Hollywoodstudios ihre Strategie ändern. Immer öfter heisst es jetzt: online first. Vielleicht bleiben noch ein paar Independentkinos übrig. Frei nach dem Motto: 'die wirklich geilen Filme, die sonst niemand zeigt' .... Bekanntlich stirbt die Hoffnung immer zuletzt.

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Dokumentarfilm: 'Road to Lockdown' (Road-Movie, 106 min, 2020)

+ + + NEU auf Amazon Prime Video (Kaufen und Leihen) + + + 


Drei Jungs nach dem Abitur. Drei Monate ans andere Ende der Welt. Ein guter Plan, normalerweise. Dass im Frühjahr 2020 alles anders ist, realisieren Paul, Fynn und Niels nur zögerlich. Ihr Strandurlaub verwandelt sich in einen Alptraum-Trip an dessen Ende die Quarantäne steht. Statt dem Wandern in wunderschönen Landschaften sitzen sie plötzlich ohne Perspektive im neuseeländischen Christchurch fest. Wo endet sie: diese 'Road to Lockdown'? Den Film gibt es auf Amazon Prime Video für 4,99 Euro (Leihen) und 9,99 Euro (Kaufen).

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'Lovemobil' - Dokumentarfilm über Prostitution gefälscht (Strg_F, 29 min, NDR)

von Fred Kowasch

24.03.2021
Bitter sehr bitter. 'Lovemobil' - eine Perle des Dokumentarfilmes ist nicht mehr als ein Fake im 'Relotius-Style'. Prostituierte, Freier, der Zuhälter - Darsteller, die auf Anweisung der Regisseurin handelten. Sich in Szene setzten. Was für ein Desaster für die Glaubwürdigkeit. Auch wir hatten den Film vor Monaten mit Begeisterung und folgenden Worten empfohlen: "Dichter, ergreifender Film. Mit Einblicken, die vielleicht nur ein Dokumentarfilm möglich macht. Jahrelange Beobachtung, intimes Kennenlernen, die Kamera vergessen. Hinsehen, hinhören - auch wenn es wehtut. Meisterlich gedreht und geschnitten, wohl aus einer unerschöpflichen Fülle an Material ausgewählt."

Am Ende kann so ein Betrug wohl immer passieren. Weil in der Zusammenarbeit beim Herstellungsprozess Vertrauen unabdingbar dazu gehört. Weil gerade Dokumentarfilme wohl auch manche (Vor)urteile und 'Haltungen' in der Redaktionen geradezu bedienen. Weil man als Filmemacher unter ungeheurem finanziellen Druck steht. Dies erklärt so eine Arbeitsweise allenfalls - zu akzeptieren ist sie nicht.



Im Nachhinein kann man immer sagen: 'dass war doch alles zu perfekt'. Vielleicht. Die einzige Stelle, an der ich stutzig wurde, war die Szene mit dem Barkeeper. Normalerweise nimmt man dort seine eigenen Fragen mit rein. Wer selbst Dokumentarfilme dreht und produziert, weiss was für ein Knochenjob dies ist. Wie oft man irgendwo umsonst hinfährt, wie schwer es ist Menschen vor die Kamera zu bekommen, wie oft es keine Antwort auf die Gesprächsanfrage gibt. Trotzdem: es ist dann besser es sein zu lassen, als so ein Märchen zu produzieren.

p.s.: Respekt auf jeden Fall an die Editorin, die diesen Betrug öffentlich gemacht hat. Und an die Macher von Strg_F, die der Sache nachgegangen sind.

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Medien: 'Wie ich meine Zeitung verlor' (Eulenspiegelverlag, 144 Seiten, 2020, 15 Euro)

»Ein Buch, so wahr, so richtig und mutig. Wer Journalist ist und am Ende nicht heulen muss, hat es nie ernst gemeint mit seinem Beruf.«
Judka Strittmatter 06.07.2020

Seltsam. Während die einen begeistert sind, finden andere Kollegen "es ist ein peinliches Buch". Ein guter Bekannter meinte gar, dieses "Rumgeheule" müsse man nicht lesen.

Ich finde: man sollte es lesen. Weil diese 144 Seiten eine Bestandsaufnahme sind, wie weit die Branche mittlerweile sprichwörtlich 'auf den Hund' gekommen ist. Wie Feigheit, die 'richtige' politische Haltung', das Verschweigen von Wirklichkeit heute zum journalistischen Handwerk dazugehören.

MeinhardtNun macht jeder in der Branche seine ganz eigenen Erfahrungen. Jeder Journalist ist auch anders sozialisiert. Birk Meinhardt hat am 'Roten Kloster' in Leipzig studiert, der DDR-Ausbildungsstätte für SED-nahe 'Journalisten'. Er hat jahrelang in der Diktatur mitgemacht, in Staatspostillen Artikel geschrieben. Auch wenn er - wie er heute betont - damit Probleme hatte. Zur Erinnerung: keiner musste mitmachen. Auch in der DDR nicht.

Nach dem Systemzusammenbruch hat Meinhardt - als einer der ersten - bei einer sogenannten 'Westzeitung' (der Süddeutschen) als Reporter angefangen. Ist schnell dort aufgestiegen, weil er brilliant schreiben konnte (und kann). Anfang des neuen Jahrtausends mit Auszeichnungen wie dem 'Kisch-Preis' bedacht worden. Er gilt in der Branche immer noch als die Menschwerdung zur 'Edelfeder'.

Irgendwann, so beschreibt er es im Buch eindrücklich, sei er nachdenklich geworden. Weil einige seiner Geschichten plötzlich nicht mehr veröffentlicht wurden. Die über die 'Deutsche Bank' zum Beispiel, die über den Umgang mit Rechtsextremen vor deutschen Gerichten auch. Er, der Starreporter lernte nun die Zensur 'Made in BRD' kennen. Die vorgeschobenen Argumente etwas nicht zu publizieren, das süffisante Weglächeln von Kritik.

Nun hat nicht jeder Journalist ein Anrecht darauf, dass man ihn unbedingt druckt. D'accord. Es gibt im Zeitalter des Internets genügend andere (und eigene) Möglichkeiten zu publizieren. Wenn man diese Themen als Redaktion jedoch in Auftrag gibt, dann braucht es schon handwerkliche Argumente einen Abdruck zu unterlassen. Alles andere ist Zensur. Das blumige Geschwafel von Presse- und Meinungsfreiheit kann man sich dann sparen. 

Was Birk Meinhardt beschreibt sind eigene Geschichten aus mehr als 30 erlebten publizistischen Jahren. Gnadenlos subjektiv erzählt und gerade deshalb so ungemein packend. Andere Kollegen haben ähnliches erlebt. In den letzten Jahren. Vor allem im Herbst 2015. Von: "diese Geschichte machen wir so nicht" bis "das Thema sehen wir nicht".

Auch ich könnte darüber ein Buch schreiben. Über meine Erfahrungen bei ARD und ZDF. Bei den 'Leuchttürmen' des Journalismus. Die - wie es ein Kollege mal so treffend formulierte -"Investigation nur simulieren". Warum einem wie mir, mittlerweile die Lust auf Journalismus im Öffentlich-Rechtlichen TV vergangen ist. Wie man sich enttäuscht und verbittert abwendet, selbst immer radikaler wird. Dieses Zeilen werden kommen. 

Bis dahin sei das Buch 'Wie ich meine Zeitung verlor' von Birk Meinhardt empfohlen. Ein mutiges Buch. Und: ein sehr, sehr notwendiges Buch. Für 15 Euro in  Buchhandlungen oder im Eulenspiegelverlag zu erwerben. (Fred Kowasch)

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Unerwünschte Aufklärung – Was aus den Kronzeugen im Radsport geworden ist (I)

von Ralf Meutgens und Fred Kowasch

Vor acht bis zehn Jahren sorgten ihre Fälle für Schlagzeilen. Insider aus dem Radsport, die ihr Wissen öffentlich machten. Über Dopingpraktiken berichteten, über die Mittäterschaft von Trainern, Ärzten und Funktionären sprachen. Ihre Aussagen schockierten die Öffentlichkeit, gaben einen Einblick in die bis dahin weitgehend verdeckten Strukturen im professionellen Radsport. Die Folgen jedoch waren überschaubar. Konsequenzen gab es so gut wie keine. Eine Serie über Whistleblower, ihre Motive und die Konsequenzen.

Der vielversprechende Amateursportler:

"Jederzeit würde ich es wieder tun. Es ist der richtige Weg um zur Aufklärung der Dopingproblematik beizutragen." 

radsport2Er war ein vielversprechender Amateursportler, kurz vor dem Sprung zum Radprofi. Philip Schulz gewann mehrere gutdotierte Rennen. Auch international. Bis er im Mai 2008 positiv auf Amphetamin getestet und für zwei Jahre gesperrt wurde. Unter Druck packte er aus. Berichtete darüber, wie er zum Doping kam. Wie ein älterer Trainingskollege aus der Nachbarschaft mit verbotenen Medikamenten einen regelrechten Handel trieb. 

Als bislang einziger Amatersportler im Radsport fand bei ihm eine Kronzeugenregelung der  Nationalen Antidopingagentur (NADA) Anwendung. Aufgrund seiner umfassenden Aussage verkürzte der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) seine Sperre um ein Jahr. Schulz detaillierte Schilderungen führten zu umfangreichen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. 

In der Folge deckten sie ein umfassendes Geflecht aus Korruption in einer Winzergenossenschaft auf. Obwohl er körperlich bedroht wurde, blieb Philip Schulz auch vor Gericht bei seinen Aussagen. Auch wenn er seine Vorwürfe gegen den BDR später modifizierte: seine Aussage gab erstmalig einen detaillierten Einblick in das geschlossene System des Amateurradsports. 2013 hat sich Philipp Schulz, der mittlerweile Vater zweier Kinder ist, vom Leistungssport zurückgezogen.
 

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"Am Besten, Du machst ab Sonntag Dein Handy aus!" - Was Whistleblower erleben

von Fred Kowasch

"Am Besten Du machst ab Sonntag Dein Handy aus. Für ein paar Tage!"  Eine besseren Tipp konnte ich dem Whistleblower im Februar 2009 nicht geben. Denn ich war selbst überfordert. Wer bereitet einen in der Journalistenschule schon auf den Umgang mit Whistleblowern vor?! Wer weiss, ob die Story wirklich 'steil' geht? Ob sie nicht unkommentiert vor sich hin rottet ....

Diese Story allerdings ging steil. Sehr steil sogar. ARD-Sportschau, ZDF-Heute-Nachrichten, WDR-'Sport inside'. Und, und, und. Irgendwann bist Du als Filmemacher (und Produzent) dann schlicht auch überfordert. Wer kann sich dann noch um seinen Informanten kümmern?! Den, der so einen öffentlichen Aufschrei noch nie erlebt hat. Der, der in seinem Kämmerchen vor dem ausgeschalteten Handy sitzt, während im Mail-Acount eine Nachricht nach der anderen eingeht.

Solche Tage bedeuten Stress. Jeder will etwas von Dir. Da muß auf die Presseerklärung des Sportverbandes geantwortet werden. Der Redakteur drängelt. Vorwürfe gegen unseren Informanten stehen im Raum. Wie kontert man die am Besten, wenn nebenbei noch ein weiterer Film zu machen ist? Wie ist es mit einem Anwalt? Wer stellt ihn? Wer muss ihn bezahlen?

TV-Sender nehmen solche Enthüllungen ganz gerne mit. Investigative Geschichten führen zu Anerkennung unter den Kollegen, am Ende winkt vielleicht sogar ein Fernsehpreis. Nur: um einen Anwalt - der ihn rechtlich berät - muss sich der Whistleblower selbst kümmern. Ihn aus der eigenen Tasche bezahlen. Irgendwie geht dass nicht. Es Ist auch nicht zu akzeptieren, dass - nur weil der Whistleblower aufgrund massiven rechtlichen Druckes seine Aussage später ein wenig modifiziert - er (und seine Geschichte) plötzlich regelrecht in Ungnade fallen. Die Redaktion sich einer Folgestory verweigert. Obwohl der Fall bei Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt weite Kreise zieht. Sie dort den Wert der Insiderinformationen zu schätzen wissen. Andere Medien weiterhin über den Fall berichten.

Der richtige Umgang mit Whistleblowern. Er steht in keinem Lehrbuch. Denn jeder Fall ist anders. Jedes Motiv, sich zu offenbaren und an die Medien zu wenden, liegt eine andere persönliche Geschichte zu Grunde. Die zu erfahren, den persönlichen Hintergrund exakt zu verifizieren, ist schwierig. Braucht Einfühlungsvermögen, erfordert Zeit. Die Frage nach seinem Motiv 'auszupacken' - als Filmemacher habe ich sie an den Whistleblower wieder und wieder gestellt.

Ein Rest-Risiko bleibt immer. Für den, der die Geschichte macht. Viel mehr noch für den, der sie erzählt. Der manchmal gar nicht ahnt, was für einen medialen Aufschrei ein Einzelner auslösen kann. Und dass die öffentliche Tortur erst dann so richtig losgeht. (Text März 2019)

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Sport inside Special: Falsches Spiel - Wettmanipulation Im Tennis (30 min, 2017)

Ein Film von Benjamin Best, Fred Kowasch und Tom Mustroph
Sport inside Special, WDR Fernsehen, Sonntag, 7.5.2017, 22.05 - 22:35 Uhr

In kaum einem anderen Sport ist es so leicht zu manipulieren wie in der Einzelsportart Tennis. Der sogenannte "weiße Sport" kämpft seit mehr als zehn Jahren mit massiven Vorwürfen: Betrug, Manipulation, Vertuschung. Wettsyndikate, vor allem aus Russland, Südamerika und Italien, sind auf der Suche nach Tennisspielern, die für Geld Spiele manipulieren. Experten schätzen den weltweiten Umsatz bei Tennis-Wetten auf fünf Milliarden Euro. 

Im vergangenen Jahr haben die internationalen Tennisverbände 292 verdächtige Matches gemeldet. So viele wie nie zuvor. Mittlerweile kommen 80 Prozent aller verdächtigen Sportereignisse in Bezug zu Wettmanipulation aus dem Tennis. Seit Jahren stehen die internationalen Tennisverbände in der Kritik, zu wenig gegen die Manipulation zu unternehmen.

'Sport inside' Spezial: Falsches Spiel - Wettmanipulation im Tennis (Doku, 30 min) from interpool.tv on Vimeo.

Vor allem Tennisturniere der zweiten bzw. dritten Kategorie, sogenannte Challenger- und Future-Turniere, sind für Betrug anfällig, weil hier das Schmiergeld höher sein kann als die geringen Preisgelder. "Die Wettbetrüger sind keine dummen Menschen, ganz im Gegenteil die wissen genau wen sie ansprechen müssen, wo die Saat auf fruchtbaren Boden trifft", erklärt Tennisprofi Andrea Petkovic gegenüber Sport inside. Sport inside trifft Ermittler, spricht mit Tennisprofis und stößt bei den Tennis-Weltverbänden auf eine Mauer des Schweigens.

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Musikdoku: 'Heldenstadt Anders' - Der Festivalfilm (137 min, interpool.tv, 2020)

Drei Tage AUSVERKAUFT. Unzählige Biers, Umarmungen. Tränen der Freude, Pogo, gute Laune. Dazu Bands, die mehr als drei Jahrzehnte nicht mehr zusammen auf der Bühne gestanden haben. Punk, NDW, Noice, Heavy Metal .... Dass Leipziger 'Heldenstadt Anders Festival' im Leipziger UT Connewitz war ein voller Erfolg! Die - mehr als zweistündige - Doku zeigt Ausschnitte aller Auftritte. Sie blickt aber auch hinter die Kulissen dieses einmaligen Ereignisses aus dem September 2019. 

Line Up (Tag 1): HerT.Z., Kulturwille, Mad Affaire, Die Zucht
Line Up (Tag 2): The Huck, 0815, Dilletannten feat. Karl Heinz, Gelee Royal, Der Schwarze Kanal, Pfft...Projekt KNPL
Line Up (Tag 3): Schmerzgrenze, The Real Deal, Trübkraft Umsonst, Unklar, Zorn, Neu Rot, Confused Trail 

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Dokumentarfilm: Walls - a photographer between the lines (88 min, OmU, 2013)

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Israel und die besetzten Gebiete, Belfast, Baghdad, Ceuta, Zypern, die Grenze zwischen den USA und Mexico. Kai Wiedenhöfer hat eine Mission. Er will die Mauern der Welt fotografieren, zeigen was ein Betonwall aus Menschen macht. Mit seiner Panoramakamera geht er dorthin, wo Gummigeschosse, Tränengas und Strassenschlachten zum Alltag gehören. Er trifft auf Flüchtlinge, Drogendealer und engagierte Menschenrechtler. Immer wieder aber auch auf bewaffnete Soldaten und aggressive Grenzpolizei. Gegen viele Widerstände versucht er sich seinen Traum zu erfüllen. 


Kai Wiedenhöfer möchte seine Panoramafotos auf die weltbekannte 'East Side Gallery' in Berlin zu bringen. Jahrelang kämpft er dafür. Im Sommer 2013 kommt es in seiner Wahlheimat zum Showdown. Die Dokumentation „Walls – a Photographer between the Lines“ hat Kai Wiedenhöfer - der einst Zeuge des Berliner Mauerfalls wurde - über neun Jahre lang begleitet.

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Dokumentarfilm: 'Inside HogeSa' - Von der Straße ins Parlament (92 min, 2018)

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Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.


In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans, 'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann. 

Wem der Trailer gefällt, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 3,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all). Wer den Film kauft, bekommt die Interviews mit Tatjana Festerling und 'Captain Flubber' in voller Länge zu sehen.

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