Zeitgeschichte: Übergriffe in anderen Städten - Serie: 'Mit Faust und Kerze' (4)

Mittlerweile haben die Demonstrationen auch auf andere Städte übergegriffen. Es kommt es am 7. Oktober auch in Karl-Marx-Stadt, Jena, Magdeburg und Arnstadt zu Protesten wütender DDR-Bürger. Im vogtländischen Plauen wird ebenfalls demonstriert. Auch hier wird – ähnlich wie in Dresden zuvor – die Durchfahrt von Züge mit Flüchtlingen aus Prag erwartet. 10.000 Menschen sind auf den Beinen, ihnen stehen bewaffnete Sicherheitskräfte mit Wasserwerfern gegenüber. Zusätzlich schwebt ein Polizeihubschrauber über den Demonstranten. Wütend ziehen sie vor das Rathaus, das fast gestürmt wird. Dabei kommt es zu Übergriffen – auf beiden Seiten. Demonstranten werden verprügelt. Einige von ihnen greifen die Polizisten jedoch auch an, beschädigen einen Wasserwerfer. Stundenlang bekommen die Einsatzkräfte die Lage an diesem Tag nicht unter Kontrolle.



In Leipzig wird an diesem 7. Oktober erneut demonstriert. An diesem Tag sind die Kirchen der Innenstadt jedoch geschlossen. Trotzdem versammeln sich einige Menschen in der Innenstadt. Sie sehen sich einer zunehmend brutaler agierenden Staatsmacht gegenüber, die bei den Festnahmen keine Gnade mehr kennt.

 Sie setzen Polizeihunde und - erstmals - auch einen Wasserwerfer ein. Am Rande der Proteste greifen Hooligans des 1. FC Lokomotive Leipzig zivilie Sicherheitskräfte an. Und: in einer Gefangenensammelstelle kommt es zur Revolte. Dort werden die Staatsorgane mit Möbelteilen attakiert.

Ähnliche Szenen gibt es am 7. und 8. Oktober auch wieder in Dresden. Hier gewinnen langsam die friedlichen Demonstranten gegenüber den gewaltbereiten Protestierern – unter ihnen viele Ausreisantragsteller – die Oberhand. Am Abend des 8. Oktober werden auf der Prager Straße Protestierende von Polizeieinheiten eingekesselt. Als sie sich singend – und mit Kerzen in den Händen niederlassen – initieren zwei Kaplane ein Gespräch mit dem Polizeieinsatzleiter. Sie werden aufgefordert, aus ihren Reihen ein Verhandlungsteam zusammenzustellen. Die Dresdener 'Gruppe der 20' entsteht. Sie soll in den folgenden Tagen Gespräche mit offiziellen SED-Vertretern führen. Die Demonstranten können an diesem Abend ungehindert nach Hause gehen.

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