Zeitgeschichte: Vor 30 Jahren - Erste Kundgebung des 'Neuen Forum' in Leipzig (18. November 1989)

von Fred Kowasch

Der 18. November 1989. Zum ersten Mal nach meiner Ausreise (im März des Jahres) wieder in die DDR gekommen. Die erste Kundgebung des 'Neuen Forums' in meiner Heimatstadt wollte ich mir nicht entgehen lassen. Wow - fast 20.000 sind gekommen. Treffe viele Freunde aus der Bürgerrechtsbewegung, die an diesem Tag aber kaum Zeit für mich haben. Lausche Reden von Leuten, mit denen ich einst in dunklen Küchen diskutierte. Am Meisten hat mich damals die Rede der Philosphin Inge Berndt berührt. Am Rande - und zum Schluß - ein Sprechchor: "Deutschland, einig Vaterland!" Dieser wird mit heftigen Pfiffen quittiert. Am Abend dann: ab in meine einstige Bar, deren Mobiliar inzwischen in den Osten der Stadt gewandet ist. Party bis zum Morgengrauen ....
Leipzig1 17111989Ordner des 'Neuen Forum' vor dem Leipziger Georgi-Dimitroff-Museum
Leipzig2 17111989Mehr als 15.000 Menschen sind zur ersten Kundgebung des 'Neuen Forum' zusammengekommen
Photos: Fred Kowasch - All Rights Reserved

Vor 30 Jahren: Wie die DDR-Diktatur Oppositionelle drangsalierte

Am 7. Mai 1989 fanden in der DDR Kommunalwahlen statt. Zum ersten Mal in der Geschichte des anderen deutschen Staates versuchte die Opposition - versuchten Bürgerrechtler - die Auszählung der Wahlergebnisse zu kontrollieren. Dabei stellten sie in Ostberlin, Leipzig, Halle und Dresden erhebliche Unterschiede zu den offiziell verkündeten Wahlergebnissen fest. Sowohl was die Höhe der Wahlbeteiligung anbelangte, als auch den Prozentanteil der Nein-Stimmen. Am Abend der Kommunalwahl selbst fand in Leipzig eine Protestversammlung auf dem Marktplatz in der Innenstadt statt. Dabei kam es zu vorläufigen Festnahmen durch die DDR-Sicherheitsorgane. Bereits im Vorfeld hatte es zahlreiche Kontrollmaßnahmen durch sie gegeben.

Der vorliegende Schriftstück ist ein Originaldokument aus dieser Zeit. Darin berichtet ein Augenzeuge über zahlreiche Zwangsmaßnahmen im Umfeld der Kommunalwahl in Leipzig. Dass darin erwähnte (illegale) Cafe befand sich in der Zweinaundorfer Strasse 20a im Leipziger Osten. Seit dem Frühjahr 1989 hatte sich dort ein Treffpunkt der DDR-Undergroundszene etabliert.
ddr kommunalwahlen

Drucken

Durch die weitere Nutzung dieser Webseiten stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.