Klare Kante: Danke Magdeburg!

Ein Kommentar von Fred Kowasch

04.12.2020 (update, ein paar Tage später)
Treffen mit einem Redakteur einer ARD-Anstalt. Es geht um Themen, um Journalismus, um Glaubwürdigkeit. Wie man nach 'Draussen' hin noch einen Sender verteidigen kann, dessen Köpfe mit Hunderttausenden im Jahr nach Hause gehen. Wo Redakteure, wie ich erfahre, nach der Pensionierung mehr haben als vorher.

Dieses Treffen ist ein paar Jahre her, die derart üppigen Rentenbezüge gibt es mittlerweile nicht mehr. Dennoch wurde mir spätestens an diesem Tag klar: im Öffentlich-Rechtlichen Mediensystem läuft gehörig etwas schief. Spätestens dann, wenn man selbst nicht mehr den eigenen Auftraggeber gegenüber seinen Interviewpartner glaubwürdig vertreten kann, ist es Zeit zu gehen. Auch wenn man selbst 25 Jahre für ARD und ZDF gearbeitet hat. 

Öffentlich-Rechtlich - dass war einmal. Ein acht Milliarden teures Angebot, bei dem ich alle paar Wochen einem 'Presseclub' zuhöre. Mal einen 'Tatort' sehe. Ein paar Filme auf 'arte' streame. Und dass alles für 17,50 Euro im Monat?! Für eine 'Grundversorgung', die schon lange keine mehr ist. Für einen Journalismus, der inhaltlich nicht ausgewogen, geschweige denn bissig gegen die Regierenden ist. Statt dessen masseweise Koch- und Ratesendungen anbietet, sich in Talkshows bis hin zur Bedeutungslosigkeit quatscht. So ein Programm brauche ich nicht.

Am Dienstag dieser Woche dann die 'gute Nachricht' aus Magdeburg. Es wird in diesem Jahr keine Abstimmung im Landtag mehr zum neuen Rundfunkstaatsvertrag geben. Bedeutet: vorerst keine Erhöhung der Zwangsabgabe zum 1. Januar 2021. Was viele meiner Freunde, Bekannten und Verwandten mit Freude quittierten. In den öffentlich-rechtlichen Sendern kam diese Meldung aus Sachsen-Anhalt nicht so gut an. Ein Chor empörter Stimmen, die den Programmauftrag gefährdet sehen. Deswegen nun schnell noch vor das Bundesverfassungsgericht ziehen wollen.

Nun macht mal halblang. Wenn ARD-Intendanten bis zu 399.000 Euro im Jahr kassieren, dann sieht das eher nicht nach zu wenig Geld aus. Sondern schreit danach: gebt etwas ab. Kommt runter von eurem hohen Thron. Überlegt wie ihr - vor allem auch in Zeiten von Corona - wirtschaftlich arbeiten könnt. Wer braucht denn Kleinstsender wie 'Radio Bremen' oder den 'Saarländischen Rundfunk'? Wer ein 'Zweites Deutsches Fernsehen', einen politischen Staatssender geradezu? Schon regen sich die ersten, die seine Abschaffung bzw. Privatisierung fordern. Warum nicht?!

Dass Gute ist: endlich wird diskutiert. Ohne Rücksicht. Und ohne Tabus.

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