Klare Kante: "Klagt nicht, kämpft" - Traditionsverständnis bei der Bundeswehr

Ein Kommentar von Fred Kowasch

"Klagt nicht, kämpft". Ein alter Wehrmachtsspruch, aufgehangen über einem Waschraum in einer Bundeswehrkaserne. 'Verziert' mit ein paar Bildern aus dem II. Weltkrieg. Vor knapp 25 Jahren habe ich darüber im ZDF-Morgenmagazin berichtet. Ehemalige Soldaten schilderten in diesem Film noch andere Vorfälle in Kasernen. Vorfälle mit rechtradikalem Hintergrund. Der Bundeswehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Alfred Biele (CSU) versprach in der Sendung Aufklärung. Am nächsten Tag berichteten die Süddeutsche Zeitung und die FR auf Seite 2 über eine meiner ersten 'großen' Geschichten.

Fünf Jahre später - im Juni 1998 - im ZDF-Politikmagazin 'Kennzeichen D' der nächste Scoop: 'Traditionspflege bei der Bundeswehr'. Diesmal berichte ich, wie Bundeswehrsoldaten auf Kreta das Andenken der Wehrmacht pflegen. Wie sie - im Rahmen einer Führerweiterbildung - der 'Operation Merkur' vom Mai 1941 gedenken. Welche Bedeutung diese größte Luftlandeoperation der Kriegsgeschichte für ehemalige und aktive Fallschirmjäger der Bundeswehr noch hat.

Auch diese Story sorgt für Aufsehen. Es gibt eine Programmbeschwerde an den ZDF-Intendanten, 36 zu beantwortende Leserbriefe, Bundestagsabgeordnete befassen sich mit meinen Enthüllungen. Parallel dazu läuft im Bonner Bundestag ein Untersuchungsausschuss. Er soll zahlreiche rechtsradikale Vorfälle in der Truppe aufklären helfen. Dies alles ist lange her. Noch und noch politisch - und publizistisch - 'durchgekaut'.

Und nun - im Mai 2017 - sollen alle Kasernen nach Andenken an die Wehrmacht durchsucht werden. Jahrzehnte nach den aufsehen erregenden Berichten im ZDF über das seltsame Traditionsverständnis in Teilen der Bundeswehr. Warum erst jetzt? Warum so spät?!

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