Zeitgeschichte: Vor 30 Jahren - Was ist los in Leipzig?

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septemberdemo 1989 leipzigProteste für Versammlungs- und Meinungsfreiheit am 4. September 1989 vor der Nikolaikirche in Leipzig
Foto: Helmut Neumann / Fred Kowasch - All Rights Reserved

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"Ich bin sicher, dass in Zukunft nicht nur ein paar Hundert, sondern ein paar Tausend Menschen an Demonstrationen teilnehmen werden."


Eine gewagte Prognose aus dem Sommer 1989. Abgegeben am Ende des fünfseitigen Textes. In Kenntnis der Situation in der DDR, in Kenntnis geplanter Aktionen Leipziger Oppositionsgruppen. Dass dies schon Ende September in Leipzig Wirklichkeit werden sollte, hatte auch ich nicht ernsthaft erwartet.


Den oben abgebildeten Text habe ich auf Anregung des Journalisten Roland Jahn (ARD-Kontraste, ZDF-'Kennzeichen D') im Juli 1989 geschrieben. Er war zur Veröffentlichung in der tageszeitung (taz) und der Frankfurter Rundschau gedacht.

Abgedruckt hat ihn dann keine der beiden Zeitungen. Das Interesse an Themen aus Leipzig war - damals - zu gering. (Fred Kowasch)

Klare Kante: Loveparade 2010 - Vom Versagen der Justiz

von Fred Kowasch

Der Rucksack war gepackt, die kleine Kamera verstaut. Zehn Minuten Fussweg bis zum S-Bahnhof in Köln-Ehrenfeld, dann eine Stunde bis nach Duisburg. Im vollgepressten Zug? Bei dieser Wärme? Für ein paar bunte Bilder auf der Webseite?

Schließlich war es Bequemlichkeit, die mich an diesem 24. Juli 2010 davon abhielt, zur Loveparade zu fahren. Im WDR läuft die Übertragung doch auch. Als dann gegen 18 Uhr die ersten Eilmeldungen kamen, war es wie ein Schock. Dazwischen könntest Du auch stehen. Mit der Kamera. Was hätte ich gemacht? Gedreht? Geholfen?

loveparade trauerIn den Tagen danach der Versuch, das Geschehen zu rekonstruieren. Anhand von Videos, Augenzeugenberichten, Dokumenten. Vor Ort ein paar Filmaufnahmen. Ein, zwei Menschen sprechen mich an.

28 Schritte. Mehr sind es nicht. Von Tunnelwand zu Tunnelwand. Hier sollten Zehntausende von Menschen gleichzeitig hoch- und runtergehen? Wie soll das funktionieren? Wer hat diesen Wahnsinn genehmigt? Am Rande hängt ein handgeschriebenes Plakat: "Sauerland, Du bist ein Mörder".

Am Fuss der steilen Steintreppe, dort wo 21 Menschen starben, fällt mir ein Loch auf. Wie sich später herausstellt, hat darüber ein grosser Drahtzaun gelegen. In der Enge war dies wohl die tödliche Falle.

Fast sechs Jahre später lehnt das Duisburger Landgericht die Eröffnung eines Verfahren gegen zehn Beschuldigte ab (pdf). Weil die Staatsanwaltschaft so schlampig gearbeitet haben soll. Einen britischen Gutachter beauftragt hat, der die deutsche Sprache nicht spricht, deutsche Sicherheitsvorschriften nur ungenügend kennt.

Den sie obendrein für befangen hält. Und der in seiner Expertise nicht einem ernsthaft den Versuch unternommen hat, die Verantwortung der Polizeibeamten vor Ort zu klären. Die die Breite des Zuganges auf der Rampe mit Drahtzäunen noch verkleinert hatten. Weil sie Platz zum Abstellen ihrer Dienstfahrzeuge brauchten. Ist die Staatsanwaltschaft in Duisburg wirklich so unfähig? Oder wollte, durfte sie nicht ernsthaft in diese Richtung ermitteln?

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